419025 SE Ausgewählte thematische Vertiefung zu Recht und Gesellschaft: "Suspekte Rechtssubjekte": Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung zwischen Freiheitsrechten und Sicherheitsregimen
Sommersemester 2026 | Stand: 16.01.2026 | LV auf Merkliste setzenDie Studierenden verfügen über spezialisierte Kenntnisse zentraler sozialwissenschaftlicher Denkansätze in der thematischen Vertiefung. Sie können auf diese bezogen ausgewählte theoretische und empirische Fragestellungen der Rechtssoziologie reflektieren sowie in einer wechselseitigen Verschränkung von Theorie und Empirie analysieren. Sie sind in Bezug auf die thematische Vertiefung zu eigenständiger sozialwissenschaftlicher Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Funktionen, Umsetzungspraxis und Auswirkungen des Rechts und rechtlicher Institute bzw. Institutionen befähigt.
In Bezug auf Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung scheint in erhöhtem Maße ungewiss zu sein, inwieweit sie ihre Rechte, aber auch Pflichten als Rechtssubjekte ohne besonderen Schutz und Unterstützung eigenständig hinreichend wahrnehmen können. Der Aspekt der Gefährdung spielt in entsprechenden Gesetzen, die etwa die Vertretung in Rechtsgeschäften, Zwangseinweisung in die Psychiatrie oder Freiheitsbeschränkungen in Einrichtungen („Heimen“) regeln, eine zentrale Rolle; er legitimiert sowohl rechtliche Einschränkungen als auch Schutzmaßnahmen. Einerseits geht es darum, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung vor verschiedenen Gefahren zu schützen und dabei zu unterstützen, ihre Rechte wahrnehmen zu können. Andererseits werden sie selbst als (sich oder andere) Gefährdende beobachtet. Gefährliche Normabweichung und (für-)sorgender Schutz zeigen sich somit vielgestaltig und ambivalent miteinander verknüpft.
Der skizzierten Thematik kommt über die betroffenen Personenkreise hinaus gesellschaftliche Bedeutung zu: Nicht nur kann potenziell jede Person von solchen Maßnahmen betroffen sein (etwa psychisch erkranken oder im Alter dement werden), in Rechtsgenese, Rechtsnormen und Rechtsanwendung manifestieren sich gesellschaftliche Definitionen von Normalität und Abweichung – und ihr historischer Wandel. Daran lässt sich auch analysieren, wie das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit in Wechselwirkung mit dem gesellschaftlichen Kontext gedeutet, bearbeitet und austariert wird.
Im Seminar werden wir uns mit zentralen (rechts-)soziologischen bzw. sozialwissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen, die sich rund um die Rechtsbereiche Erwachsenenschutzrecht (bzw. Betreuungsrecht in Dtld.), Unterbringungsrecht und Heimaufenthaltsrecht sowie die UN-Behindertenrechtskonvention aufspannen lassen:
- Gesellschaftliche Konstruktion, Bearbeitung und Transformation von Unsicherheit und Gefährdung im Recht und in der rechtlichen Anwendungspraxis
- Prognose und Prävention: vom Bemühen, die ungewisse Zukunft zu zähmen
- Von der Entmündigung zur Subjektwerdung im Recht: Rechtsfähigkeit zwischen „verständiger“ Entscheidungskompetenz und grund- bzw. menschenrechtlicher Fundierung
- Spannungsfeld Freiheitsbeschränkung und Therapie (bzw. Erziehung, …): zur paradoxen Verschränkung staatlicher Zwangsbefugnisse und professioneller Hilfe
- Entscheidung und Verantwortung: Entscheidungsdilemmata, „Prozessieren“ von Verantwortlichkeit und Absicherungsorientierung im (Nicht-)Entscheiden
- Richterliches Entscheiden unter großer Unsicherheit: differierende „Gerichtskulturen“, unvertrautes Terrain und interdisziplinäre Aushandlungsbedarfe
Thematische Einführung und Kurzbeiträge der Seminarleiterin, vorbereitende Lektüre von Basistexten, Gruppenarbeiten, Übungen und Diskussionen, vertiefende Recherchen der Studierenden zu einem vorgegebenen Thema mit kurzer Präsentation und schriftlicher Arbeit.
Die Gesamtnote ergibt sich aus den Einzelbewertungen in folgenden Bereichen, jeder Bereich zählt gleich viel, keiner darf negativ sein:
- Aktive Mitarbeit in der Lehrveranstaltung allgemein: vorbereitende Lektüre der Basisliteratur inkl. kleiner Reflexionsübungen, Beteiligung an Reflexionen/Diskussionen/(Klein-)Gruppenarbeiten im SE
- Vertiefende Bearbeitung eines Themas (inkl. Literaturrecherche) und Präsentation
- Schriftliche Arbeit zum eigenen Vertiefungsthema und kurzes Abschlussgespräch mit Seminarleiterin zur Arbeit
- Wahlpakete
- Interdisziplinäres und zusätzliches Angebot
- SDG 3 - Gesundheit und Wohlergehen: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern
- SDG 10 - Weniger Ungleichheiten: Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern
- SDG 16 - Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen: Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen
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Gruppe 0
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| Datum | Uhrzeit | Ort | ||
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Mi 11.03.2026
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13.15 - 16.30 | Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) | ||
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Mi 25.03.2026
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13.15 - 16.30 | online (Angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie) online (Angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie) | ||
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Mi 22.04.2026
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13.15 - 16.30 | Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) | ||
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Mi 06.05.2026
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13.15 - 16.30 | online (Angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie) online (Angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie) | ||
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Mi 20.05.2026
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13.15 - 16.30 | Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) | ||
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Mi 03.06.2026
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13.15 - 16.30 | online (Angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie) online (Angewandte Rechts- und Kriminalsoziologie) | ||
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Mi 17.06.2026
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13.15 - 16.30 | Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) Seminarraum 1W05 (Grauer Bär) | ||
| Gruppe | Anmeldefrist | |
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419025-0
419025-0 |
01.02.2026 00:00 - 21.02.2026 23:59 | |
| Mayrhofer H. | ||